Wohnungsbesichtigung: Die Checkliste, mit der Sie nichts übersehen
Der erste Eindruck ist oft entscheidend – aber beim Mietvertrag-Abschluss kann ein zu schneller Entschluss teuer werden. Versteckte Mängel, hohe Heizkosten oder lärmende Nachbarschaft fallen meist erst auf, wenn es zu spät ist. Mit unserer Wohnungsbesichtigungs-Checkliste übersehen Sie nichts – vom Energieausweis bis zur Trittschalldämmung. So treffen Sie eine fundierte Entscheidung und vermeiden böse Überraschungen nach dem Einzug.
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Die Wohnungsbesichtigung: Nehmen Sie sich Zeit
Auch wenn der erste Eindruck oft entscheidet: Vor der Unterschrift unter den Mietvertrag sollten Sie genau hinschauen. Besichtigen Sie die Wohnung, das Haus und das Umfeld am besten mehrmals und zu unterschiedlichen Tageszeiten – tagsüber wirkt eine Wohnung anders als abends, an einer Straße wirkt es im Berufsverkehr anders als sonntags. Schreiben Sie sich alle Fragen auf, die Sie klären möchten, und bitten Sie nach der Besichtigung um ausreichend Bedenkzeit.
Unterschreiben Sie nichts überstürzt! Was Sie bei der Besichtigung übersehen, kann später zum Problem werden. Setzt Sie der Vermieter unter Druck, sofort zuzusagen oder zu unterschreiben, ist Vorsicht geboten. Bitten Sie stattdessen um eine angemessene Bedenkzeit und prüfen Sie den Mietvertrag in Ruhe.
Inhaltsverzeichnis
Haus, Umfeld und Lage prüfen
Bevor Sie überhaupt in die Wohnung gehen, lohnt sich ein Blick auf das Haus und sein Umfeld. Diese Faktoren sind später nicht mehr veränderbar – die Wohnung selbst können Sie wenigstens einrichten, das Umfeld nicht.
- Wohngegend: Macht die Nachbarschaft einen gepflegten Eindruck? Fühlen Sie sich wohl?
- Einkaufsmöglichkeiten und Infrastruktur: Supermarkt, Apotheke, Kindergarten, Schule
- Nahverkehr: Wie weit ist die nächste Haltestelle? Wie oft fährt der ÖPNV?
- Parkmöglichkeiten: Auto-Stellplatz, Fahrradabstellraum, Tiefgarage
- Hof und Garten: Spielmöglichkeiten für Kinder, Aufenthaltsbereich
- Pflegezustand des Hauses: Treppenhaus, Fassade, Eingangsbereich
- Geplante Bautätigkeit? Größere Baustellen oder Neubauten in der Nähe?
- Außengastronomie Gastronomie kann mit Lärm und Geruch verbunden sein
Praxis-Tipp: Schauen Sie sich Haus und Umfeld auch außerhalb des Besichtigungstermins an – ein Abendspaziergang oder ein Besuch am Wochenende zeigen Ihnen das wahre Bild der Gegend.
Wohnräume sorgfältig bewerten
In den Wohn- und Schlafräumen verbringen Sie die meiste Zeit. Achten Sie auf folgende Punkte:
- Anzahl, Fläche und Höhe der Räume: Können Sie Ihre Möbel sinnvoll stellen? Schrägen, Fenster und Türen beim Möbelstellen berücksichtigen
- Tatsächlich nutzbare Wohnfläche: Bei Bedarf nachmessen! Schrägen, Nischen oder seltsame Grundrisse reduzieren die effektiv nutzbare Fläche oft erheblich
- Helligkeit: Wie viel Tageslicht kommt herein? Welche Räume sind besonders dunkel?
- Hellhörigkeit: Klopfen Sie an die Wände – sind sie massiv oder dünn? Hören Sie die Nachbarn?
- Raumschnitt: Wichtiger als die Gesamtfläche ist oft, wie die Räume aufgeteilt sind
Wichtig: Wenn Sie schon bei der Besichtigung Hellhörigkeit bemerken, wird das nach dem Einzug nicht besser. Eine mangelhafte Schallisolierung kann ein baulicher Mangel darstellen – kann aber auch zur dauerhaften Belastung werden.
Küche, Bad und sanitäre Einrichtungen
Bad und WC
- Zustand der Sanitärobjekte: Sind Waschbecken, Badewanne, WC neu oder reparaturbedürftig?
- Waschmaschine und Trockner: Gibt es Stellplätze und Anschlussmöglichkeiten?
- Belüftung: Fenster oder funktionierende Lüftungsanlage?
- Fliesen und Böden: In Ordnung oder beschädigt?
Küche
- Einbaumöbel, Herd, Spüle: Vorhanden? Werden sie mit vermietet oder ist eine Ablöse zu zahlen?
- Platz für Geräte: Kühlschrank, Spülmaschine, ggf. Tiefkühlschrank
- Anschlüsse: Gas oder Elektro? Wo befindet sich der Herdanschluss?
- Belüftung und Bodenbeläge: Fenster vorhanden? Fliesen oder Bodenbeläge intakt?
Wichtig bei Einbauküchen: Klären Sie schon bei der Besichtigung, ob eine eingebaute Küche mit vermietet wird, ob eine Ablöse an den Vormieter zu zahlen ist – und in welcher Höhe.
Fenster, Heizung und Energieeffizienz
Diese Punkte haben direkten Einfluss auf Ihren Wohnkomfort und Ihre monatlichen Heizkosten – also unbedingt genau prüfen.
Fenster
- Größe, Helligkeit, Sonneneinstrahlung: Ausrichtung und Ausblick prüfen
- Verglasung: Isolierverglasung vorhanden? Wärme- und Schalldämmung?
- Funktion: Lassen sich alle Fenster richtig öffnen? Sind sie dicht?
- Jalousien oder Rollläden: Sind welche vorhanden?
Heizung
- Heizungsart: Zentralheizung, Etagenheizung, Einzelöfen? Gas, Öl, Fernwärme, Pellets?
- Räumliche Verteilung: Ist in allen Räumen eine Heizmöglichkeit vorhanden?
- Zustand: Öfen oder Heizkörper neu oder veraltet?
Energieausweis verlangen! Lassen Sie sich unbedingt den Energieausweis des Hauses vorlegen und erkundigen Sie sich nach den tatsächlichen Heizkosten des Vormieters. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben zur Energieeinsparung sind umfangreiche Bauarbeiten bei schlechten Werten nur eine Frage der Zeit – mit entsprechender Mieterhöhung.
Elektroinstallation und Anschlüsse
- Steckdosen: Ausreichend in jedem Raum vorhanden? Praktisch positioniert?
- Lichtquellen: Genug Deckenleuchten und Lampenanschlüsse?
- Telefon- und Internetanschluss: Wo befindet er sich? Welche Geschwindigkeit ist möglich?
- Antennen-, SAT- oder Kabelanschluss: In welchen Räumen verfügbar?
- Zustand der Elektroinstallation: Modern oder veraltet? Sicherungskasten okay?
Veraltete Elektroinstallation? Bei sehr alten Leitungen oder einem überfüllten Sicherungskasten kann es zu Problemen mit modernen Haushaltsgeräten kommen. Fragen Sie nach, ob eine Modernisierung geplant ist – und wann.
Böden, Wände und versteckte Mängel
An den Böden, Wänden und Tapeten zeigen sich oft die unangenehmen Wahrheiten einer Wohnung. Schauen Sie genau hin:
- Fußböden: Zustand, Material und Belag (Parkett, Laminat, Teppich, Fliesen)
- Tapeten und Anstriche: Frisch oder abgenutzt? Renovierungsbedürftig?
- Gefallen Ihnen Tapeten und Bodenbeläge? Sonst werden Sie selbst renovieren wollen oder müssen
- Feuchtigkeitsschäden: Stockflecke, Schimmel, Wasserränder – besonders an Außenwänden und in Ecken
- Geruch: Modriger oder schimmliger Geruch ist ein deutliches Warnsignal
Mängel sofort dokumentieren! Werden bei der Besichtigung Mängel oder Schäden erkennbar, müssen diese unbedingt im Übergabeprotokoll vermerkt werden. Sonst kann der Vermieter später behaupten, der Mieter hätte sie verursacht. Wichtig: Behalten Sie sich Ihr Minderungsrecht ausdrücklich schriftlich vor – auch wenn Sie es nicht sofort nutzen wollen.
Balkon, Nebenanlagen und Außenbereich
Balkon oder Terrasse
- Größe, Ausrichtung, Verkleidung: Ist eine sinnvolle Nutzung möglich?
- Wäschetrocknen: Erlaubt oder verboten?
- Markise: Anbringung erlaubt? Schriftliche Zustimmung des Vermieters einholen!
- Privatsphäre: Einsicht von Nachbarn oder Straße?
Stauräume und Nebenanlagen
- Wandschränke und Nischen: Wieviel Stauraum gibt es in der Wohnung selbst?
- Kellerraum: Vorhanden? Trocken oder feucht?
- Bodenraum oder Speicher: Nutzbar? Wer hat noch Zugang?
- Fahrradraum: Vorhanden? Abschließbar?
- Wäschetrockenplatz: Gemeinschafts-Trockenraum vorhanden?
Feuchte Kellerräume: Sind Kellerräume feucht oder muffig, ist das ein Warnsignal – nicht nur für die Lagerung, sondern oft auch für die Bausubstanz des Hauses. Fragen Sie nach Ursachen und ob Sanierungsmaßnahmen geplant sind.
Vor der Unterschrift: Mietvertrag genau prüfen
Wenn die Wohnung gefällt und Sie sich grundsätzlich entscheiden möchten: Sehen Sie sich den Mietvertrag in Ruhe an, bevor Sie unterschreiben. Achten Sie besonders auf:
- Kündigungsausschluss: Wie lange sind Sie an den Vertrag gebunden?
- Indexklausel: Wird die Miete nach Verbraucherpreisindex jährlich steigen?
- Schönheitsreparaturklauseln: Welche Renovierungspflichten werden Ihnen auferlegt?
- Kleinreparaturen: Welche Höchstgrenzen gelten?
- Nebenkostenvorauszahlungen: Realistisch oder zu niedrig angesetzt?
- Mietsicherheit: Höhe, Anlage und Bedingungen der Kaution
Niemals unter Druck unterschreiben: Unterschreiben Sie keine Klauseln, die Sie nicht verstehen oder die Sie eigentlich gar nicht wollen. Holen Sie vor der Unterschrift Rechtsrat ein – beim Mieterverein Dresden und Umgebung e.V. gehört das zur Mitgliedschaft.
Schnell-Checkliste für die Wohnungsbesichtigung
- Schritt 1: Fragenkatalog vorbereiten – nichts vergessen
- Schritt 2: Mehrmals zu unterschiedlichen Tageszeiten besichtigen
- Schritt 3: Energieausweis und Heizkosten des Vormieters anfragen
- Schritt 4: Wohnfläche bei Verdacht nachmessen
- Schritt 5: Mängel sofort schriftlich festhalten und fotografieren
- Schritt 6: Minderungsrecht bei Mängeln schriftlich vorbehalten
- Schritt 7: Ausreichend Bedenkzeit einfordern
- Schritt 8: Mietvertrag vor der Unterschrift vom Mieterverein prüfen lassen
Wichtig vor der Übergabe: Lassen Sie sich vor jeder Wohnungsübergabe oder -übernahme rechtlich beraten. Beim Mieterverein Dresden und Umgebung e.V. ist die Beratung im Rahmen der Mitgliedschaft enthalten – das kann Ihnen mehrere hundert Euro sparen.
Häufige Fragen zur Wohnungsbesichtigung
Wie oft sollte ich eine Wohnung besichtigen?
Idealerweise mindestens zweimal – zu unterschiedlichen Tageszeiten. Tagsüber wirkt eine Wohnung anders als abends, an einer Straße anders im Berufsverkehr als sonntags. Erst dann erhalten Sie ein realistisches Bild von Lärm, Licht und Atmosphäre.
Worauf sollte ich beim Energieausweis achten?
Der Energieausweis gibt Hinweise auf die zu erwartenden Heizkosten. Bei schlechten Werten (z. B. Energieeffizienzklasse F oder schlechter) drohen hohe Nebenkosten – und früher oder später energetische Sanierungsmaßnahmen mit entsprechender Mieterhöhung.
Muss ich Mängel sofort melden?
Sind bei der Besichtigung Mängel erkennbar, sollten diese unbedingt im Übergabeprotokoll vermerkt werden. Wichtig: Behalten Sie sich Ihr Minderungsrecht bei bekannten Mängeln ausdrücklich vor – sonst verlieren Sie es!
Was ist Hellhörigkeit und warum ist sie wichtig?
Hellhörigkeit bedeutet, dass Geräusche aus Nachbarwohnungen, Treppenhaus oder Außenbereich deutlich in der Wohnung zu hören sind. Eine mangelhafte Schallisolierung kann zur dauerhaften Belastung werden – am besten schon bei der Besichtigung prüfen.
Was muss ich bei einer Einbauküche beachten?
Klären Sie, ob die Einbauküche mitvermietet wird oder ob Sie sie vom Vormieter übernehmen sollen. Bei einer Übernahme sollten Alter, Zustand, ursprünglicher Kaufpreis und Zeitwert der Küche geprüft und die Vereinbarung schriftlich festgehalten werden. Liegt die verlangte Ablöse mehr als 50 Prozent über dem Zeitwert, ist sie nach der Rechtsprechung überhöht und insoweit unwirksam. Lassen Sie sich im Zweifel beraten.
Was tun bei feuchten Kellerräumen?
Feuchte oder muffige Keller können auf bauliche Probleme hindeuten – nicht nur für die Lagerung, sondern oft auch für die Wohnung selbst. Fragen Sie nach Ursachen und ob Sanierungsmaßnahmen geplant sind. Im Zweifel ist die Wohnung nicht die richtige.
Kann ich nach der Besichtigung sofort kündigen, wenn mir die Wohnung doch nicht gefällt?
Nein. Ein unterschriebener Mietvertrag ist bindend – auf ein Widerrufsrecht können Sie sich nur in seltenen Ausnahmefällen berufen. Deshalb: Unterschreiben Sie nie überstürzt und holen Sie vorher ausreichend Bedenkzeit ein.
Mietvertrag vor Unterschrift prüfen lassen
Eine gründliche Besichtigung ist die halbe Miete – die andere Hälfte ist ein fairer Mietvertrag. Falsche Klauseln zur Kaution, zu Schönheitsreparaturen oder zu Kündigungsfristen können Sie später viele hundert Euro kosten. Der Mieterverein Dresden prüft Ihren Vertrag und sorgt dafür, dass Sie keine Falle übersehen.